Freitag, 2. August 2013

Der große Abschied aus Mumbai

Vor vier drei Tagen erreichten wir schließlich Mumbai, die allerletzte Station unserer langen Reise. Die Stadt zeigte sich uns weniger chaotisch und stressig, als man vermutet, wenn man an eine indische 16-Millionen-Einwohner-Metropole denkt – aber natürlich haben wir auch hauptsächlich das Zentrum gesehen, wo sich, so vermuten wir, nicht gerade ein repräsentativer Querschnitt von Mumbais Bevölkerung aufhält.

Lukas ist nach einer letzten 15-stündigen Nachtzugfahrt in Mumbai angekommen und freut sich über die Geschichte des renommierten Taj Mahal Palace Hotel: Der indische Erbauer ist damals 1903 mit dem Hinweis "Nur für Europäer" nicht in ein Hotel gelassen worden und hat dann als Antwort sein eigenes bauen lassen. Der schönste Stinkefinger der Welt!
Die alten Taxen dominieren Bombays Straßenbild (den Beweis liefern nachfolgende Fotos)
Ein letztes Mal werden wir um ein Foto gebeten und greifen die Gelegenheit am Schopfe, gleich mit abzudrücken. Im Hintergrund übrigens Bombays Wahrzeichen: das Gateway of India.
Mumbais Zentrum zeigt sich an vielen Orten sehr einladend
Nach einem verbissenen letzten Kampf mit Taxifahrern, die es mal wieder auf die Ahnungslosigkeit der Touristen abgesehen hatten, werden wir zu unserem Hotel in Mumbais kolonialem Herzen, Fort, gebracht – und staunen über die großen, prächtigen Bauten. Ein repräsentatives Bauwerk reiht sich hier ans nächste, alte schöne Bahnhöfe, Museen, Bibliotheken, Rathäuser und so weiter. Doch auch die Wohnhäuser zeigen sich von einer schicken, wenn auch etwas vernachlässigten Seite. Und wie herrlich es ist, wieder mal am Meer zu sein und sich den stürmischen Wind um die Nase wehen zu lassen! 

Bombays Rathaus in voller Schönheit
Zuweilen mutet es hier sehr britisch an
Vonhin man auch blickt, überall findet sich ein neues prunkvolles Bauwerk
Dazwischen findet das alltägliche Leben statt: Und wenn die Wohndichte zu den höchsten der Welt gehört, muss man schon mal Platz schaffen, wo keiner ist, so wie dieser Mann, der auf sehr kreative Weise seinen Betelnussstand erschaffen hat
Kleine herzhafte wie auch süße Snacks sind nirgendwo so allgegenwärtig wie in Indien
Ein schickes Wohnhaus zeugt von kolonialer Geschichte
Bombays Wahrzeichen auf dem Haufen: Das Gateway of India und das Taj Mahal Palace Hotel
Es gibt keinen Ort, an dem wir nicht mindestens 20 Menschen begegnet sind. Irgendwo müssen die 16 Millionen ja auch hin!
Ein Stück weiter vom Taj Mahal Palace findet man schon ein kleines Kontrastprogramm
Da freut sich die norddeutsche Seele: Stürmische See und frische Meerluft (man achte hier bitte auf die richtige Aussprache des "st", um die Stimmung richtig wiederzugeben)
Auch die Mumbaier mögen es an diesem Plätzchen
In Strom der Millionenstadt
 
Nach zwei Nächten in diesem etwas edleren Viertel, checkten wir zum letzten Mal aus einem Hotel aus und fuhren nach Nord-Mumbai, wo wir noch weitere zwei Nächte bei Freunden von Bines Cousine, Hanna, übernachteten. Und von dem Hochhaus aus zeigte Bombay uns dann auch noch sein zweites Gesicht wenn auch in etwas zurückhaltender Form. Vom Balkon des 14. Stocks aus konnten wir nämlich über ein kleines Slum sehen, dass sich auf einem Fleckchen Erde auf der anderen Straßenseite in einem Müllberg erstreckte. 

Nach all den Prachthäusern wirkt es hier wie in einer anderen Welt
Bevor es zurückgeht, lässt Lukas sich noch schnell von seiner erstaunlich schnell nachgewachsenen Matte befreien
Auch auf den Straßenschildern lässt sich erkennen, dass man in Bombay durch die Zeit reisen kann
Tatsächlich findet sich ein Fuhrwerk mitten in der Innenstadt
Auch Gandhis Haus in Mumbai, wo er sponn und ersonn, statten wir natürlich einen Besuch ab
Nun sind wir an unserem letzten Reisetag angekommen, in wenigen Stunden machen wir uns auf zum Flughafen, und noch ein paar Stunden später dann werden wir, nach 302 Tagen und 16 Ländern, wieder deutschen Boden betreten. Für uns geht ein großes Abenteuer zu Ende, eine Zeit unseres Lebens, die uns wohl geprägt hat wie kaum eine andere, und gerade bricht ein kleiner Wirbelsturm der Gefühle über uns herein. Aber keine Sorge, hauptsächlich ist‘s Vorfreude! 

Wenn wir zurückblicken, sehen wir 10 wunderbar fröhliche Monate, in denen wir allerhand gelernt haben – über fremde Kulturen ebenso wie über unsere eigene. In denen wir viel gelacht und viel gestaunt haben, hin und wieder verständnislos den Kopf schüttelten und manchmal fast die Nerven verloren. Die Freude am Reisen dafür nie. Viele große Orte der Menschheitsgeschichte haben wir gesehen, konnten Einblicke gewinnen in die Unterschiedlichkeit der Kulturen, konnten ganz viele Farben für unser Lebensmalbuch sammeln, doch nun geht’s zurück und auch darauf freuen wir uns. Es wird schön sein, endlich wieder eine Küche zu haben, einen Kleiderschrank, nicht mehr alle paar Tage packen zu müssen, nicht mehr der herausstechende Tourist zu sein.

Obwohl wir so viel erlebt haben, ist doch die Zeit im Fluge vergangen. So gut noch können wir uns an die ersten Tage in Rio de Janeiro erinnern. Kaum zu glauben, wie viel wir inzwischen gesehen haben. Wir müssen wohl gerannt sein, um mit der verfliegenden Zeit mitzuhalten…

Zuckerhut, Rio de Janeiro, Brasilien
Cristo Redentor Statue, Rio de Janeiro, Brasilien
Geysire auf 5000m, Bolivien
Salar de Uyuni, Bolivien
Sucre, Bolivien
Machu Picchu, Peru
Rotorua, Neusseeland
Sydney, Australien
Gardens by the Bay, Singapur
Merlion, Singapur
Petronas Towers, Kuala Lumpur, Malaysia
Angkor, Kambodscha
Bagan, Myanmar
Taj Mahal, Indien
     
Liebe Blogleser, danke, dass ihr uns treu wart! Es war uns eine Freude, euch immer wieder ein paar Einblicke zu ermöglichen – ab morgen gibt’s die Einblicke dann wieder in persönlicher Übermittlung! Wir können es kaum erwarten, euch wiederzusehen!

Dienstag, 30. Juli 2013

Reise durch Rajasthan

Rajasthan im Nordwesten Indiens ist nur einer der 28 Bundesstaaten Indiens, aber dennoch fast so groß wie Deutschland. Großmoguln und Briten, vor allem aber Rajputen-Fürsten und Maharajas haben die Geschichte dieses Staates geprägt und überall ihre Fußabdrücke hinterlassen. Man kann sich also vorstellen, dass es in Rajasthan viele interessante Orte zu besuchen gibt – aufgrund mangelnder Zeit für alles mussten wir uns aber entscheiden. Unsere Wahl fiel auf Jaipur und Udaipur.  

Indien aus dem Zug
Sonntagsausflug

Jaipur

Jaipur, die Hauptstadt Rajasthans, ist bekannt als die „rosarote Stadt“; schon bei der Gründung der Stadt im 18. Jhd. erhielten alle Gebäude einen rosaroten Anstrich, damals, um die schlechte Qualität des Baumaterials zu verbergen. Ein Jahrhundert später dann, zum Besuch des Kronprinzen Albert Eduard von Wales, wurde die komplette Altstadt, die mittlerweile nicht mehr allzu ansehnlich war, erneut rosarot gestrichen – denn rosa ist die Farbe der Gastlichkeit. 

Das imposante Eingangstor zur rosaroten Stadt
Auch in Jaipur gibts authentisches Lassi aus Tonkrügen!
In unserem Reiseführer hörte sich das alles recht romantisch an; als wir schließlich in Jaipur ankamen, konnte uns die Stadt allerdings nicht überzeugen. Tatsächlich war die Altstadt in einheitlicher Farbe gehalten (auch wenn das in unserem Farbverständnis terrakotta ist und nicht rosarot), nur ist die Farbe allein eben leider kein Garant dafür, dass die Stadt auch schön ist. Statt den romantisch verzierten Fassaden und engen Gässchen in unserer Phantasie fanden wir hauptsächlich langweilige Architektur und vor allem massenhaft Verkehr vor. In Jaipur scheint rund um die Uhr Rush Hour zu sein, hupende Motorräder, drängelnde Tuktuks, aufgewirbelter Staub und aufdringliche Rikscha-Fahrer überall. Da wird spazieren gehen zur Geduldsprobe anstatt zum Genuss. 

Die Innenstadt: zwar in einheitlicher Farbe, aber leider trotzdem nicht so richtig schön
Der Palast der Winde ist allerdings schon ein sehenswertes Gebäude. Die vielen Fenster sind fein vergittert, sodass die Hofdamen dahinter das Treiben auf dem Bazar der Straße beobachten konnten, ohne selbst gesehen zu werden
Jaipurs anstrengender und lauter Verkehr. Respekt hatten wir vor dem Fahrradfahrer im Hintergrund, der Pakete transportiert, die bei uns einen ganzen Umzugswagen füllen würden
Blumenverkäufer im Zentrum
Dieser nette Herr bekam von Bine ein Kompliment für seinen tollen Schnurrbart und ließ sich daraufhin stolz fotographieren. Links Eliza, eine Reisefreundin aus demselben Hotel, mit der wir einen Tag unterwegs waren
Ab von den großen Straßen ist die "rosarote" Farbe zwar nicht mehr so durchgängig, dafür die Hup- und Tuktuk-Frequenz deutlich niedriger und spazieren deutlich angenehmer
DAS will ich! Lukas deckt sich mit Mandeln ein
Auch wenn die Stadt nicht ganz so nach unserem Geschmack war, unser Hotelzimmer wars der Knüller! Wie man sehen kann, sogar mit Sofa!
Bine macht die Handwäsche, zum allerletzten Mal! Die nächste Fuhre erledigt die deutsche Waschmaschine
Allein aufgrund seiner Funktion als Hauptstadt Rajasthans hat Jaipur aber natürlich ein paar Sehenswürdigkeiten zu bieten. Wir sahen uns beispielsweise das Jantar Mantar an, ein vom Rajputen-Fürst Jai Singh im 18. Jhd. erbautes, bemerkenswert ausgeklügeltes astrologisches Observatorium. Und mit dem Begräbniskomplex Royal Gaitor, wo sich stattliche Marmormausoleen begutachten lassen, fanden wir unerwarteterweise sogar ein kleines, ruhiges und friedliches Fleckchen in Jaipur. 

An den Konstruktionen im Jantar Mantar kann man am Schattenstand nicht nur Uhrzeit, sondern auch Sternzeichen ablesen
Das Stadtmuseum: eine wilde Stilmischung und Luftraum eines riesigen Taubenschwarms
Die schicken Mausoleen der Herrscherfamilie, die Royal Gaitors
Ein herrlich ruhiger Ort!
Etwas außerhalb Jaipurs wird außerdem der Wasserpalast als große Sehenswürdigkeit gepriesen. Wir mussten zugeben, ein Palast im See, das hat Potential - leider ists eher ein großes Betonhaus in einer Drecklache.
Die Wartezeit am Bahnhof verbringt Lukas mit seinem 1300 Seiten-Wältzer "Limit"
Geschäftiges Treiben: dank der vielen Händler und Stände am Bahnhof kann man sich für die ganze Fahrt mit Snacks eindecken. Oder sich die Wartezeit mit einem Tee versüßen.

Udaipur

Unser zweiter Stopp weiter im Süden Rajasthans gefiel uns deutlich besser. Als der Mewar-Fürst Udai Singh II Mitte des 16. Jhds auf der Flucht vor dem expandierungsentschlossenen Großmogul Akbar (dessen Enkel das Taj Mahal erbaute) seine Hauptstadt verlegen musste, wählte er für seine neue Hauptstadt Udaipur den malerischen Pichola-See inmitten grüner Berge. Doch Udaipur ist nicht nur schön gelegen, sondern hat auch eine kleine, hübsche und wunderbar ruhige Altstadt; die Distanzen zu den Sehenswürdigkeiten sind problemlos zu Fuß zu bewältigen, weshalb es hier deutlich weniger und deutlich weniger aufdringliche Tuktuk- und Rikscha-Fahrer gibt. Noch dazu war unser einfaches Hotel ein echter Knüller, mit traumhaftem Ausblick auf die Altstadt und den Stadtpalast und mit umwerfendem Essen im hoteleigenen Dachterrassenrestaurant. 


Udaipurs idyllische Altstadt am Ufer des Pichola-Sees
Leider findet man beim näheren Hinsehen auch hier Müll im Wasser und schlecht instand gehaltene Häuser
Auf dem Weg durch die Gassen zum Wasser (geradeaus sieht man das Ghat)
Udaipur
Im Hintergrund der imposante Stadtpalast (bzw. ein Teil davon, der ganze Komplex ist um ein Vielfaches größer), im Vordergrund das wuselige Ghat
Von unserem Hotel aus haben wir einen traumhaften Blick auf Altstadt und Stadtpalast
Bines Lieblingstourist
Geburtstagskuchen im Cafe Edelweiss
Restaurationsarbeiten am Stadtpalast
Die Tage in Udaipur vergingen wie im Fluge. Wir schlenderten durch die Altstadt und besuchten zwei Museen, welche – wie wir es bereits aus ganz Asien gewöhnt sind – unglaublich schlecht gestaltet waren und kaum etwas wirklich Interessantes auszustellen hatten, was den Besuch wiederum schon wieder amüsant machte. Tja, und dann gabs noch ein echtes Highlight: unser letzter Kochkurs der Reise! Gemeinsam mit zwei Briten erlernten wir in Shashis privater Küche die Zubereitung allerlei indischer Köstlichkeiten, von Chai Masala über Curries bis hin zum Naan. Herrlich! Wir deckten uns am Ende gleich mit Gewürzen ein, so können wir zu Hause auch alles problemlos nachkochen. 

Während wir uns im Bett noch mal umdrehen, hat am gegenüber Ghat der Waschtag begonnen. Die Aufnahme haben wir aus unserem Fenster gemacht, wir hatten also wirklich einen tollen Blick!
Die kleinen Gassen mögen wir
Das erste Museum hatte wenig zu bieten. Richtig cool fanden wir aber die stattliche Turban-Sammlung! Die füllte drei schmale Räume und zeigte verschiedenste Turbane samt Beschreibung, welche Personen diese Version wann tragen. Außerdem präsentierte das Museum ganz stolz "den größten Turban der Welt", ein 30kg-Modell hinter Lukas. Keiner weiß, wozu der gut sein soll, aber auf alles, was besonders groß ist, ist man eben auch besonders stolz. Nützlich oder sinnvoll? Absolut zweitrangig!
Bei unserem Stadtspaziergang stoßen wir auf diese Leute, die versuchen, eine tote (und mittlerweile völlig aufgeblähte) Kuh aus dem Wasser zu bergen. Mit dem Jungen vorne links, der hinschwimmen musste, wollten wir besser nicht tauschen...
Gedränge vor dem Stadtpalast: jeder, der in den Komplex rein will, wird kontrolliert (man beachte Bines Lieblingstouristen)
Los gehts, Palast beschauen!
Im Palastmuseum gibts eine Sonne mit Schnurrbart. Wie indisch!
So komisch sieht man also aus, wenn man fotographiert
Der Blick vom Stadtpalast auf einen zweiten, kleineren Palast im Lake Pichola. Der nennt sich heute Lake Palace Hotel und war Hauptdrehort für den James Bond Film Octopussy, der hier in Udaipur spielt!
Chip-Chip-Chip-Chip und Chaaap! Auch Retter brauchen mal eine Stärkung.
Einer der vielen Innenhöfe im Stadtpalast
Des Königs Elefantensattel
In Udaipurs Gassen
Lukas schaut vom Stadtpalast über Udaipur
Wir kochen wieder! Hier widmet sich Bine gerade dem Aloo Ghobi, dem Kartoffel-Blumenkohl-Curry
Shashi zeigt, wie man den Naan-Teig richtig knetet
Am Schluss dürfen wir in Shashis Wohnzimmer am Esstisch natürlich auch alles essen, was wir da fabriziert hatten. Ein Gaumenschmaus!