Donnerstag, 25. April 2013

Im aufstrebenden Kuala Lumpur

Nach einer unterkühlten, aber angenehmen Busfahrt durch ausgedehnte Palmölplantagen erreichten wir von Melaka kommend Kuala Lumpur. Wir wussten nicht so recht, was uns erwarten würde, doch da wir für Bine einen neuen Pass und für Thailand ein Visum beantragen wollten, würden wir dieser Stadt mehrere Tage auf den Zahn fühlen. Mit gemischtem Ergebnis.

Für Visum und neuen Pass braucht's Fotos; die werden hier pragmatisch einfach mit einer kleinen Kompaktkamera gemacht. Warum nicht?!
Direkt neben der deutschen Botschaft gibs ein tolles Cafe. So lässt sichs warten!
Jedesmal gabs eine andere Milchschaumfigur. Hui!
Wie ganz Malaysia ist auch Kuala Lumpur muslimisch
Bine auf dem Unabhängigkeitsplatz vor dem Sultan Abdul Samad Building, dem heutigen Ministerium für Kommunikation und Verkehr im ehemaligen britischen Verwaltungsgebäude
Cocktail in der Reggae-Bar

Unwissend wie wir gekommen sind, überraschte uns die Modernität der Stadt. Deutlich erkannte man, dass Malaysia ein wirtschaftlich aufstrebendes Land ist und das nun zur Schau stellen will. Dem kleinen Nachbarstaat Singapur im Süden nacheifernd strebten zahllose Hochhäuser in den Himmel und allerorts wucherten pompöse Edel-Malls aus dem Boden. Die Jugendlichen zeigten sich recht westlich und im H&M schleifte ein Burka tragendes Mädchen ihren resigniert dreinschauenden Freund hinter sich her. 

Moderne Springbrunnen-Kunst zwischen den Malls
Die futuristischen Petronas-Towers, Kuala Lumpurs Wahrzeichen
Bei Nacht beleuchtet und besonders beeindruckend
Bine staunt gen Himmel
Tagsüber kann man sich praktischerweise in der riesigen Mall in den unteren Etagen abkühlen

Von der Skybar des Traders Hotels hatten nochmal eine andere Perspektive auf die modernen Kolosse
Pool, gedimmtes Licht, Sofas neben Fenstern bis zum Boden - so edel waren wir auf der ganzen Reise noch nicht aus!
Zu den Petronas Towers gehört nicht nur eine gigantische Mall, sondern auch ein Park
Bine genießt ihren 11-Euro Cocktail
Zumindest mit diesen Türmen macht Kuala Lumpur Singapur wirklich Konkurrenz
In Chinatown, wo unser Hostel lag, ist es hingegen ganz anders. Recht gedrängt, reihten sich dort die Essenstände und Garküchen aneinander und Handtaschen- und Kleidungsverkäufer buhlten um unsere Aufmerksamkeit. Direkt gegenüber von unsere Hostel lag dazu ein indisches Restaurant, die es hier auch wie Sand am Meer gab, bei dem wir unser tägliches Mango-Lassi getrunken haben. Wenn wir da mal gegessen haben, haben wir uns allerdings gegen die eigentlich übliche Variante, die Reisgerichte mit der rechten Hand in den Mund zu schaufeln, entschieden und haben die sehr leckeren Currys und Fladen nach der bewährten Art mit Gabel und Löffel verputzt, womit wir aber fast die einzigen waren.

Eine Garküche am Straßenrand in Chinatown
Wenn's regnet, dann richtig!
Chinatown am späten Abend, wenn sich nur noch wenige Leute hierher verirren und die Straßenstände schon abgebaut sind
Gebratene Nudeln können sie, die Chinesen!
Gewöhnungsbedürftigen Tee können sie auch
Das kannten wir schon aus Melaka: In Malaysia ist es Tradition, die Schuhe im Haus auszuziehen! Das gilt auch für Hostels!
Der Inder nebenan macht sogar Mangolassi zum mitnehmen. Bine ist begeistert!
Ein Höhepunkt unseres Besuchs war sicherlich der Ausflug zu den Batu-Höhlen, die mehrere Hindu-Tempel beherbergen und von einer 43 Meter hohen goldenen Murugan-Statue gesäumt werden (ein Sohn Shivas, wem das was sagt). Lustigerweise jedoch zogen die die Höhlen bevölkernden Affen im Endeffekt die größte Aufmerksamkeit auf sich und die Tempel wurden vom Fotohauptmotiv zum Hintergrundfüller degradiert.

Schon neben dem Eingang steht eine große grüne Statue mit Affenkopf. Sehr bunt und manchmal ein bisschen lustig, diese Hindu-Tempel!
Seit langem schlürfen wir endlich mal wieder eine Kokosnuss!
Der Komplex beinhaltete viele einzelne bunte Tempel (und auch einen Springbrunnen)
Die goldene Murugan-Statue in all ihrer Pracht
Eine Inderin versucht, Bine ein silbernes Fußkettchen zu verkaufen - und das auch nach etlichen "nein danke" noch sehr geduldig
Bei so vielen Motiven nimmt Lukas die Kamera gar nicht mehr aus der Hand
Ein Affe verputzt eine halbe Kokosnuss
Und diese Kollegen widmen sich gerade konzentriert der Körperpflege. Den Kalauer verkneifen wir uns jetzt mal...
Der kleine Tempel im inneren der Höhle
verkehrte Welt: 2 Affen bestaunen neugierig die da sitzende Bine
Die Aufmerksamkeit der Touristen gilt mehr den Affen als den Tempeln. Hier zücken alle begeistert ihre Kamera, um diese Affenmutter vor die Linse zu bekommen
Steile Treppen führen vom Platz mit der Murugan-Statue zur Höhle mit dem kleinen Tempel (und den vielen Affen)
Mit solchen Fotos macht sich Lukas' neue Kamera bezahlt
Abschließend lässt sich sagen, dass Kuala Lumpur eine sehenswerte Stadt ist, in der der Aufenthalt sicher allerdings ruhig auf einige wenige Tage beschränken könnte. Dafür war sie uns einfach nicht gemütlich und interessant genug. Abgesehen von fehlenden gemütlichen Cafés gibt es einige gut gemachte Museen, aber ansonsten hat man schnell ein Gefühl von der Stadt bekommen und zum ziellosen Schlendern durch die Innenstadt fanden wir es nicht unbedingt einladend, was nicht nur an der intensiven Hitze lag. 

Kuala Lumpur von seiner nicht modernen Seite
Einen Park gab es auch! Hinfinden war nur nicht so leicht
Parken auf malaysisch
Die interessante  KL City Gallery war ihren Besuch wert!
Da meint man, Baumschmuck gäbe es nur zu Weihnachten!
Diese Brücke ist ein klimatisierter überirdischer Fußweg
Baustelle in Malaysia: einer arbeitet, einer winkt mit der Fahne, drei schauen zu
Durian, im Deutschen auch als Stinkfrucht bekannt, ist eine ebenso abscheulich riechende wie schmeckende Frucht. Keine Ahnung, warum die Asiaten darauf abfahren
Was insbesondere Bine Kuala Lumpur besonders übel nahm, war, dass es augenscheinlich mal wieder nicht für Fußgänger ausgelegt war. Nur wenn man Glück hatte, gab es überhaupt einen Bürgersteig, und selbst dann musste man hin und wieder auf die Straße ausweichen, weil er zugeparkt, zugestellt oder zugemüllt war. Auch sind die Fußwege einfach schwer zu finden: der einzige Weg von der nächsten U-Bahn Station zum Museum beispielsweise führte durch die Tiefgarage des Sheraton-Hotels. Unbeschildert, versteht sich – da sucht man schon mal länger. Andere Male endete der Weg, dem wir folgten, plötzlich unangekündigt in einer Baustelle, einer Mall, einer Wohnanlage oder auf der Autobahn. Dann hieß es zurückgehen und es neu zu versuchen, und Bine fluchte. 

Auf dem Weg ins Museum landen wir plötzlich auf der Autobahn
Wenigstens war das Museum dann ein voller Erfolg!
Auch der Weg zu diesem herrlich guten Stück Karottenkuchen war steinig

Dienstag, 16. April 2013

Hallo, Malaysia! Erster Stopp: Melaka

Von Singapur aus ging es am 27. März für uns rein ins „richtige Asien“ - obwohl Malaysia auch noch ein gutes Einsteigerland ist, finden wir. Zwar ist Malaiisch hier die Amtssprache, aber immerhin die Schrift noch römisch und keine Ansammlung verrückter Zeichen. Unsere erste Station war Melaka, eine Weltkulturerbe-Stadt an der Westküste Malaysias.
Von den plötzlich so wunderbar erschwinglichen Preisen noch ganz begeistert gönnten wir uns glatt ein kleines Doppelzimmer in einem gemütlichen Hostel im Zentrum, wo die Besitzerin jeden Tag einen anderen Kuchen für uns Gäste buk. Lecker! 
das bunte Melaka
Mit dem asiatischen Essen kommen wir schon mal ganz gut klar - so darfs bleiben!
fünf Minuten Rucksack tragen reichen aus, um völlig durchgeschwitzt zu sein
Von dort aus machten wir uns auf, die Stadt zu erkunden. Wobei das Erkunden sich vorerst hauptsächlich auf die große und schön kühle Mall beschränkte, um ehrlich zu sein – dort hatten wir nämlich Angebote für Fotoapparate gesichtet, und obwohl wir mittlerweile eine Übergangsdigitalkamera von Bines Papa besaßen, fielen diese Angebote bei uns natürlich auf fruchtbaren Boden. Also verglichen wir in der Mall und recherchierten im Internet, sobald wir im Hostel waren –  und hatten 2 Tage später zwar eine Stange Geld hingeblättert, dafür war Bine aber auch stolze Besitzerin einer kleinen Canon Ixus und Lukas, dem das Grinsen nicht mal nachts mehr vom Gesicht wich, hatte eine Nikon D7000 erstanden.
Lukas lacht, der Verkäufer freut sich ebenso: die Nikon D7000 ist gekauft!
Beim Kaffeetrinken danach muss Bine erstmal als Testobjekt herhalten
Und zurück im Hostel stürzt sich Lukas begeistert auf die 500-Seiten-Bedieungsanleitung (von der er tatsächlich schon fast 400 durch hat!)
In der Mall haben wir auch ein Kino entdeckt und spontan besucht - Olympus Has Fallen, nicht so gut.
In den Tagen darauf gingen wir dafür umso mehr raus, trotz tropischer Hitze, denn unsere neuen Errungenschaften wollten ja auch getestet werden! Ihr könnt euch schon mal freuen, ab jetzt gibt’s noch mehr Fotos auf jedem Blogartikel. In den ersten Tagen machten wir jedenfalls rund 100 Fotos pro Tag, das war sonst eher unsere Wochenquote. 
Unser beliebtes Foto-Übungsobjekt und sehr typisch für Melaka: die ab der Dämmerung knallbunt leuchtenden Fahrrad-Rikschas
Unendlich viele gibts davon in der Innenstadt, eine übertriebener geschmückt als die andere
Was man hier nicht sehen kann: jedes einzelne Gefährt hat auch Boxen hintendrauf und spielt laute Musik
Zwei Rikscha-Fahrer warte vor dem roten Turm, von den Niederländern erbaut, auf Kundschaft
Noch vor 500 Jahren war Melaka aufgrund seiner Lage ein riesiger Handelsumschlagplatz und steckte wirtschaftlich locker das junge Singapur in die Tasche, das damals noch völlig unbedeutend war. So wichtig und reich war das Sultanat von Melaka, dass nicht nur andere asiatische Sultanate, sondern auch die Portugiesen, Briten und Niederländer sich dieses vielversprechende Fleckchen Land zu Eigen machen wollten. Jeder hatte dabei mal Erfolg, was die restlichen Parteien allerdings nicht von weiteren Überfällen und Eroberungsversuchen abhielt. Vom 16. bis ins 20. Jahrhundert gehörte das Melaka erst einem Sultan, dann für 130 Jahre Portugal, anschließend für 183 Jahre den Niederlanden und schließlich für 133 Jahre den Briten, bis das vereinte Malaysia sich 1957 unabhängig machte. Und alle haben ihre Spuren hinterlassen, auch wenn man manchmal genauer hinschauen muss. Vorherrschender sind heute allerdings die malaysischen (logo), chinesischen und indischen Kulturen.
Eine niederländische Kirche in terracotta ziert das Zentrum...
... und sogar eine Windmühle gibts. Hier hat Bine übrigens mit ihren Kameramodi gespielt: ein bisschen die Ränder verschwommen und schon sieht es aus wie eine Miniaturwelt!
Wie wahrscheinlich alle Asien-Frischlinge fotographieren wir begeistert alle Formen von Drachen und Lampions
Schmale Straßen, viele Leute
Von all dem Glanz einer wichtigen Handelsstadt haben wir allerdings nicht allzu viel bemerkt. Was nicht bedeutet, dass es uns nicht gefallen hat – im Gegenteil! Doch ist die Innenstadt voller enger, gemütlicher Gassen und kleiner Häuser, sodass man sich eher in einer beschaulichen Kleinstadt wähnt. Kleine Geschäfte und nette Restaurants reihen sich aneinander, dazwischen findet man immer mal wieder einen bunten und nach Räucherstäbchen duftenden Tempel. 
Das duftet!

Abends wirds ruhig in den Gassen Melakas - und richtig gemütlich
Lukas mit seinem neuen Baby
Bei solchen Anblicken lohnt sich Spazierengehen in der Hitze
Drei unserer Erlebnisse in Melaka müssen noch gesonderte Erwähnung finden. Erstens: das Cafe Mods, dessen Kaffeebar aus einem alten VW-Bus besteht. Ein echtes Original, dieser Laden! 

Dieses Café hatte nicht nur Stil, der Kaffee war auch noch hervorragend!
Lukas konnte aus 4 verschiedenen Anbaugebieten wählen, als er seinen "Long Black" bestellte. Half ihm wenig, weil wir von den verschiedenen Anbaugebieten ja keine Ahnung haben - beeindruckt hats uns trotzdem!
Zweitens: unser Abendessen im Capitol Satay, dem beliebtesten Restaurant Melakas. So beliebt, dass man mindestens eine halbe Stunde warten muss, bis man einen Tisch bekommt – was alle anstandslos machen! In die Mitte jedes Tisches ist ein Topf voller brodelnd heißer, super leckerer Erdnuss-Soße eingelassen. Die fungiert dann wie ein Fonduetopf – Spieße zum reinhalten nimmt man sich selbst aus einem Kühlregal. Am Schluss werden leere Spieße gezählt und man zahlt 80 Sen pro Stück, das sind 20 cent. Obwohl wir bei 80 Prozent der Spieße keinen blassen Schimmer hatten, was da bloß draufsteckte (es gab lauter helle Bällchen, in denen wir Fisch vermuteten, und komische schwarze Eier…), und dementsprechend vorsichtig bei unserer Auswahl waren, hatten wir ein ebenso aufregendes wie leckeres Abendessen. Das war echt toll! 
 
Bine (in gelb) steht leider noch ganz schon weit weg vom Erdnuss-Soßen-Fondue
Einfache Einrichtung, aber hervorragendes Essen!
Bine ist hilflos. Was ist das nur alles?
Lukas fischt sich seinen nächsten Happen aus der seißen Hoße, äh, heißen Soße
Und drittens erwähnenswert: der überfüllte Nachtmarkt, der jedes Wochenende stadtfindet. Dann wird aus einer tagsüber normalen Gasse ein wuseliger Markt, auf dem die verschiedensten Gerüche konkurrieren und wo von Süßigkeiten und Tees über Fleisch und Suppen bis hin zu Akkupunktur, Schmuck und T-Shirts alles angeboten wird. 

Bine und Lukas mitten im Nachtmarkt-Getummel
Am Sonntag essen wir im "Geographers Café", von dessen Fenseter aus man einen tollen Blick auf die wachsenden Menschenmengen des Nachtmarkts hat

An jeder Ecke wird Essen verkauft, was genau, wissen wir meist nicht - oft schaffen wir es gerade so, die angebote Delikatesse in "süß" oder "herzhaft" einzuordnen
Am Ende des Nachtmarkts gibts eine große Karaoke-Bühne, auf der herrlich schief jaulende Malayen vor einem riesigen Manchester-United ihre Songs zum Besten geben
Der Malysier Datuk Wira, heute ein ganz normaler Opa, hat in den 60er Jahren die Bodybuilding-WM gewonnen und darauf sind seine Landsleute mächtig stolz. Bine muss für solche Muskelausmaße wohl noch etwas trainieren.