Dienstag, 16. April 2013

Hallo, Malaysia! Erster Stopp: Melaka

Von Singapur aus ging es am 27. März für uns rein ins „richtige Asien“ - obwohl Malaysia auch noch ein gutes Einsteigerland ist, finden wir. Zwar ist Malaiisch hier die Amtssprache, aber immerhin die Schrift noch römisch und keine Ansammlung verrückter Zeichen. Unsere erste Station war Melaka, eine Weltkulturerbe-Stadt an der Westküste Malaysias.
Von den plötzlich so wunderbar erschwinglichen Preisen noch ganz begeistert gönnten wir uns glatt ein kleines Doppelzimmer in einem gemütlichen Hostel im Zentrum, wo die Besitzerin jeden Tag einen anderen Kuchen für uns Gäste buk. Lecker! 
das bunte Melaka
Mit dem asiatischen Essen kommen wir schon mal ganz gut klar - so darfs bleiben!
fünf Minuten Rucksack tragen reichen aus, um völlig durchgeschwitzt zu sein
Von dort aus machten wir uns auf, die Stadt zu erkunden. Wobei das Erkunden sich vorerst hauptsächlich auf die große und schön kühle Mall beschränkte, um ehrlich zu sein – dort hatten wir nämlich Angebote für Fotoapparate gesichtet, und obwohl wir mittlerweile eine Übergangsdigitalkamera von Bines Papa besaßen, fielen diese Angebote bei uns natürlich auf fruchtbaren Boden. Also verglichen wir in der Mall und recherchierten im Internet, sobald wir im Hostel waren –  und hatten 2 Tage später zwar eine Stange Geld hingeblättert, dafür war Bine aber auch stolze Besitzerin einer kleinen Canon Ixus und Lukas, dem das Grinsen nicht mal nachts mehr vom Gesicht wich, hatte eine Nikon D7000 erstanden.
Lukas lacht, der Verkäufer freut sich ebenso: die Nikon D7000 ist gekauft!
Beim Kaffeetrinken danach muss Bine erstmal als Testobjekt herhalten
Und zurück im Hostel stürzt sich Lukas begeistert auf die 500-Seiten-Bedieungsanleitung (von der er tatsächlich schon fast 400 durch hat!)
In der Mall haben wir auch ein Kino entdeckt und spontan besucht - Olympus Has Fallen, nicht so gut.
In den Tagen darauf gingen wir dafür umso mehr raus, trotz tropischer Hitze, denn unsere neuen Errungenschaften wollten ja auch getestet werden! Ihr könnt euch schon mal freuen, ab jetzt gibt’s noch mehr Fotos auf jedem Blogartikel. In den ersten Tagen machten wir jedenfalls rund 100 Fotos pro Tag, das war sonst eher unsere Wochenquote. 
Unser beliebtes Foto-Übungsobjekt und sehr typisch für Melaka: die ab der Dämmerung knallbunt leuchtenden Fahrrad-Rikschas
Unendlich viele gibts davon in der Innenstadt, eine übertriebener geschmückt als die andere
Was man hier nicht sehen kann: jedes einzelne Gefährt hat auch Boxen hintendrauf und spielt laute Musik
Zwei Rikscha-Fahrer warte vor dem roten Turm, von den Niederländern erbaut, auf Kundschaft
Noch vor 500 Jahren war Melaka aufgrund seiner Lage ein riesiger Handelsumschlagplatz und steckte wirtschaftlich locker das junge Singapur in die Tasche, das damals noch völlig unbedeutend war. So wichtig und reich war das Sultanat von Melaka, dass nicht nur andere asiatische Sultanate, sondern auch die Portugiesen, Briten und Niederländer sich dieses vielversprechende Fleckchen Land zu Eigen machen wollten. Jeder hatte dabei mal Erfolg, was die restlichen Parteien allerdings nicht von weiteren Überfällen und Eroberungsversuchen abhielt. Vom 16. bis ins 20. Jahrhundert gehörte das Melaka erst einem Sultan, dann für 130 Jahre Portugal, anschließend für 183 Jahre den Niederlanden und schließlich für 133 Jahre den Briten, bis das vereinte Malaysia sich 1957 unabhängig machte. Und alle haben ihre Spuren hinterlassen, auch wenn man manchmal genauer hinschauen muss. Vorherrschender sind heute allerdings die malaysischen (logo), chinesischen und indischen Kulturen.
Eine niederländische Kirche in terracotta ziert das Zentrum...
... und sogar eine Windmühle gibts. Hier hat Bine übrigens mit ihren Kameramodi gespielt: ein bisschen die Ränder verschwommen und schon sieht es aus wie eine Miniaturwelt!
Wie wahrscheinlich alle Asien-Frischlinge fotographieren wir begeistert alle Formen von Drachen und Lampions
Schmale Straßen, viele Leute
Von all dem Glanz einer wichtigen Handelsstadt haben wir allerdings nicht allzu viel bemerkt. Was nicht bedeutet, dass es uns nicht gefallen hat – im Gegenteil! Doch ist die Innenstadt voller enger, gemütlicher Gassen und kleiner Häuser, sodass man sich eher in einer beschaulichen Kleinstadt wähnt. Kleine Geschäfte und nette Restaurants reihen sich aneinander, dazwischen findet man immer mal wieder einen bunten und nach Räucherstäbchen duftenden Tempel. 
Das duftet!

Abends wirds ruhig in den Gassen Melakas - und richtig gemütlich
Lukas mit seinem neuen Baby
Bei solchen Anblicken lohnt sich Spazierengehen in der Hitze
Drei unserer Erlebnisse in Melaka müssen noch gesonderte Erwähnung finden. Erstens: das Cafe Mods, dessen Kaffeebar aus einem alten VW-Bus besteht. Ein echtes Original, dieser Laden! 

Dieses Café hatte nicht nur Stil, der Kaffee war auch noch hervorragend!
Lukas konnte aus 4 verschiedenen Anbaugebieten wählen, als er seinen "Long Black" bestellte. Half ihm wenig, weil wir von den verschiedenen Anbaugebieten ja keine Ahnung haben - beeindruckt hats uns trotzdem!
Zweitens: unser Abendessen im Capitol Satay, dem beliebtesten Restaurant Melakas. So beliebt, dass man mindestens eine halbe Stunde warten muss, bis man einen Tisch bekommt – was alle anstandslos machen! In die Mitte jedes Tisches ist ein Topf voller brodelnd heißer, super leckerer Erdnuss-Soße eingelassen. Die fungiert dann wie ein Fonduetopf – Spieße zum reinhalten nimmt man sich selbst aus einem Kühlregal. Am Schluss werden leere Spieße gezählt und man zahlt 80 Sen pro Stück, das sind 20 cent. Obwohl wir bei 80 Prozent der Spieße keinen blassen Schimmer hatten, was da bloß draufsteckte (es gab lauter helle Bällchen, in denen wir Fisch vermuteten, und komische schwarze Eier…), und dementsprechend vorsichtig bei unserer Auswahl waren, hatten wir ein ebenso aufregendes wie leckeres Abendessen. Das war echt toll! 
 
Bine (in gelb) steht leider noch ganz schon weit weg vom Erdnuss-Soßen-Fondue
Einfache Einrichtung, aber hervorragendes Essen!
Bine ist hilflos. Was ist das nur alles?
Lukas fischt sich seinen nächsten Happen aus der seißen Hoße, äh, heißen Soße
Und drittens erwähnenswert: der überfüllte Nachtmarkt, der jedes Wochenende stadtfindet. Dann wird aus einer tagsüber normalen Gasse ein wuseliger Markt, auf dem die verschiedensten Gerüche konkurrieren und wo von Süßigkeiten und Tees über Fleisch und Suppen bis hin zu Akkupunktur, Schmuck und T-Shirts alles angeboten wird. 

Bine und Lukas mitten im Nachtmarkt-Getummel
Am Sonntag essen wir im "Geographers Café", von dessen Fenseter aus man einen tollen Blick auf die wachsenden Menschenmengen des Nachtmarkts hat

An jeder Ecke wird Essen verkauft, was genau, wissen wir meist nicht - oft schaffen wir es gerade so, die angebote Delikatesse in "süß" oder "herzhaft" einzuordnen
Am Ende des Nachtmarkts gibts eine große Karaoke-Bühne, auf der herrlich schief jaulende Malayen vor einem riesigen Manchester-United ihre Songs zum Besten geben
Der Malysier Datuk Wira, heute ein ganz normaler Opa, hat in den 60er Jahren die Bodybuilding-WM gewonnen und darauf sind seine Landsleute mächtig stolz. Bine muss für solche Muskelausmaße wohl noch etwas trainieren.


Mittwoch, 10. April 2013

Singapur, eine Stadt voller Extreme

Am 20. März stiegen wir in Sydney in den Flieger, abgesehen von unserem Heimflug im August wohl vorerst unser letztes Mal Fliegen. Es ging nach Asien, unserem letzten, großen Abschnitt! Singapur war erste Station. Und ein guter Einstieg in den Kontinent, obwohl die Stadt doch voller Extreme steckt. 

Bine vor dem Marina Bay Hotel (links), ArtScience Museum (Mitte) und Financial District
Etwa eine Woche blieben wir, und die ganze Zeit durften wir bei Reinhard, einem Kollegen von Bines Papa, und seiner Frau Monika unterkommen. Für uns die reinste Luxusunterkunft: ein eigenes Zimmer mit Doppelbett und Ausblick, ein eigenes Bad, wobei sogar die Dusche einen tollen Ausblick hatte, guten Kaffee (oh, wie haben wir das genossen!), jeden Morgen ein bombastisches Frühstück und abends Wein, Bier oder Amarula (Bine konnte ihr Glück kaum fassen) auf dem Balkon. Und dann ein Wohngemeinschafts-eigener 35m-Pool. Ein Traum!

Der Traumpool, in dem wir täglich Schwimmen waren, mit schwimmender Bine links
Wir trinken Singapur Sling, den Nationalcocktail, mit Reinhard und Monika
Vor allem bei dieser tropischen Hitze, die stellt das erste von Singapurs vielen Extremen dar. Schwüle 35 Grad im Schatten, jeden Tag und den ganzen Tag, sogar nachts wird es nicht sonderlich kühler. Dagegen war die supermoderne MRT (Singapurs U-Bahn) ein echter Kühlschrank und deshalb doppelt nützlich – zum ans Ziel kommen ebenso wie zum Abkühlen. Bei unseren ersten Erkundungsgängen sind uns schnell viele weitere Extreme ins Auge gefallen: die ausgefallene und moderne Architektur beispielsweise, die Bauten wie das ArtScience Museum hervorbringt, oder die ebenso riesigen wie zahlreichen Malls, die neben den teuersten Boutiquen gerne auch mal einen künstlichen Fluss beherbergen, auf dem man mit einem Boot durch die Mall fahren kann. Wer viel Geld ausgeben will, ist in Singapur an der richtigen Adresse, diese Botschaft war unmissverständlich. Extrem viele Baustellen gibt es auch, und nach deren Ausmaß zu urteilen, werden das auch wieder irgendwelche monströsen Malls oder Hotels. Auch der zukunftsweisende Garden by the Bay ist ganz schön abgefahren, allerdings im positiven Sinne. Auf einem Areal von über 100 Hektar wurde hier ein futuristischer Park angelegt, der auf einem Nachhaltigkeitskonzept basiert und völlig autonom ist. Nach unserem ersten Eindruck schien es, Singapur wolle einfach um jeden Preis die modernste Stadt der Welt sein. 


Bei dieser Hitze muss erstmal die Mähne ab. Lukas traut sich in einen japanischen Express-Friseur-Salon...
... und sieht danach doch recht ansehnlich aus!
Schon aus der Ferne macht der Garden by the Bay was her
Viele der "Supertrees" generieren Solarenergie, andere dienen als Schornsteine der Biogasanlage
Einer der beeindruckendsten und auf jeden Fall der futuristischste Park, durch den wir je spaziert sind!
Singapur von seiner strengen Seite: Kaugummis sind verboten und Fahrradfahren durch eine Unterführung, bei uns eher ein Kavaliersdelikt, wird hier schon mal mit 1000 Dollar (670 Euro!) geahndet
Die erste Mall, die uns noch schwer beeindruckte - später wurde uns klar, dass edle Materialien, penieble Sauberkeit und ein luxuriös anmutendes Design hier normal ist
Der Merlion, das Wahrzeichen Singapurs, auch wenn das Marina Bay Hotel dem Fisch-Löwen etwas Konkurrenz macht...
... fotografieren will ihn trotzdem jeder, und für all die Fotografen gibt es extra einen Steg. Wir sind aber noch gewiefter: haben beide Wahrzeichen auf einem Foto!
Lukas behält sogar bei solch einer Aussicht einen kühlen Kopf, da kommt ja jetzt auch wieder Luft dran
Kunst im Park: ein riesengroßes, scheinbar schwebendes Baby namens Lucas (ehrlich!)
Die Bucht samt Financial District in der Abenddämmerung

Um den Aufbau und den Zusammenhang der verschiedenen Stadtteile besser einschätzen zu können, haben wir uns später trotz der Hitze dazu entschieden, die Stadt einmal nur zu Fuß zu erkunden. Zwar waren wir nach 10 Minuten bereits pitschnass geschwitzt, doch haben wir bei dieser Tour Singapur noch von einer ganz anderen Seite kennengelernt. Durchs bunte Little India kamen wir in das wuselige und geschäftige Arabische Viertel, dann weiter in den britisch geprägten Colonial Core, nach China Town und in den Financial District, der das eigentliche Bild liefert, das man von Singapur hat. Es ist, als würde man an einem Tag verschiedene Städte bereisen, so unterschiedlich sind die einzelnen Stadtteile in ihrem Aufbau, ihrer Architektur, ihrem Charme und ihren Bewohnern. Die verschiedenen Viertel entstanden in kolonialer Zeit, als Singapur zu dem Handelsmekka wurde, dass es immer noch ist, und sich dort Händler in Gemeinschaften niederließen, ihre Architektur, ihren Glauben und ihre Kultur mitbrachten und weiter ausübten. 

Die bunten Häuser von Little India
Sonnencreme, so nah am Äquator einer von Lukas besten Freunden
Will man die Stadt auch fernab der klimatisierten Konsumentenpfade des Zentrums zu Fuß erkunden, siehts plötzlich gar nicht mehr so touristenfreundlich aus.
Eine schwitzende Bine
Die Sultan-Moschee, mitten im arabischen Viertel und wunderschön anzusehen
Bine ist heiß und jede Kühlung sehr willkommen
Das gemütliche arabische Viertel - man wähnt sich eher im Orient als in einer Metropole Südostasiens
Eine Stunde lang erklärt uns dieser Muslim, begeistert von unserem Interesse, den Islam und den Koran, nachdem wir mit einer Frage auf ihn zugekommen waren
Geschäftiges Treiben vor dem Mustafa Center, einem riesigen 24h-Supermarkt. Wer findet Lukas?
Kaum fängt es an zu regnen, wuseln alle Menschen schnell an ein trockenes Plätzchen
Ein fröhlicher Buddha und eine fröhliche Bine in China Town
China Town - der Ort, wo man lauter Dinge kaufen kann, die keiner braucht
Ein Hindu-Tempel nahe China Town. Für dieses Foto haben wir mächtig gelitten, denn der Boden war brüllend heiß und Schuhe - wie in allen Hindu-Tempeln - nicht erlaubt!
Klimaanlagen in rauen Mengen gegen Singapurs unglaubliche Temperaturen
Palmen und eng stehende Hochhäuser im Financial District
Lukas im Fort Canning Park - von der Festungsanlage der Briten ist leider nicht mehr allzu viel übrig
Ein kleiner Leuchtturm mitten in der Stadt. Früher hat er einmal den Handelsschiffen den Weg gewiesen, doch schon in den 1960er Jahren nahmen hohe Gebäude den Seefahrern die Sicht und dem Turm die Bedeutung
Singapur bei Regen
Auch in dieser Hinsicht, was die Dichte verschiedener Kulturen und Religionen betrifft, stellt Singapur wieder ein Extrem dar, jedoch für uns ein äußerst interessantes und beeindruckendes. Dieser multikulturelle Mix gibt der Metropole einen Charme, der für uns Singapurs eigentlichen Reiz ausmacht und auf uns einen viel tieferen Eindruck hinterlassen hat als all die modernen Edelmalls zusammen.